„Das wird uns nicht davon abhalten, in eine Synagoge zu gehen“

Ein Jahr nach dem Anschlag in Halle

I.Berger, eine Überlebende des Anschlags von Halle, spricht diese Worte während der Hauptverhandlung vor dem Landgericht in Magdeburg. (https://taz.de/Prozess-gegen-den-Attentaeter-von-Halle/!5706803/; 08.10.2020) In den letzten Wochen teilen mehr und mehr Überlebende ihre Sicht auf den Anschlag und seine Folgen für ihr Leben.

Am 9. Oktober 2019 versuchte ein rechtsextremer Terrorist die an Yom Kippur versammelte Jüdische Gemeinde in Halle auszulöschen. Zum höchsten jüdischen Feiertag waren viele Jüdinnen und Juden angereist, um gemeinsam mit der Halleschen Gemeinde diesen Gottesdienst zu feiern. Als es dem Täter nicht gelang, in die Synagoge einzudringen, erschoss er eine Passantin, Jana Lange, und einen Gast eines Döner-Restaurants, Kevin Schwarze.

Seit Juli 2020 findet in Magdeburg der Prozess gegen den Attentäter statt. Es wird damit gerechnet, dass er am 14. Oktober 2020 abgeschlossen wird. „Am achten und neunten Prozesstag sprechen erstmals die Nebenkläger:innen, die sich zum Tatzeitpunkt in der Synagoge befanden. Sie fordern (…) zu hinterfragen: In welcher Gesellschaft ist solch eine Tat möglich? Aber auch: In welcher Gesellschaft möchten wir leben?“ (https://taz.de/Prozess-gegen-den-Attentaeter-von-Halle/!5706803/; 08.10.2020)

Wir alle müssen weiter über Halle und andere rechtsterroristische Anschläge sprechen. Vor allem möchten wir den Überlebenden zuhören und ihren Perspektiven Raum geben.

Eine solche Perspektive ist die der Künstlerin Talya Feldman.

„Elegy“ von Talya Feldman, Überlebende des Anschlags von Halle https://www.juedischesmuseum.de/blog/jahrestag-anschlag-halle/

Der versuchte Massenmord von Halle steht in einer Kontinuität rechtsextremen Terrors und anti-semitischer Angriffe in Deutschland. Sie sind Teil und Ergebnis eines gesellschaftlichen Klimas, in dem die Bedrohungen für Juden und Jüdinnen, wie auch anderer Minderheiten, immer noch heruntergespielt werden. Zur Verdeutlichung zitieren wir hier Dr Ruth Röscher, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Chemnitz: „Die jüdischen Gemeinden müssen ohne Zweifel besser geschützt werden. Es sind sowohl baulich-technische
als auch sicherheitstechnische Maßnahmen erforderlich. Besonders wichtig ist geschultes und sensibilisiertes
Sicherheitspersonal; diesbezüglich laufen erste Gespräche mit den entsprechenden Ministerien der sächsischen
Staatsregierung. Auch die Arbeit an neuen Sicherheitskonzepten läuft, die Umsetzung erfolgt so schnell wie
möglich. Eine zentrale Herausforderung wird die Suche nach einem vernünftigen Kompromiss zwischen Sicherheit und offener Gemeinde sein.“ (Im Gespräch mit Florian Eisheuer von der Amadeu-Antonio-Stiftung.)

Umfangreiche Dokumentationen und Chroniken zum Thema „Rechte Gewalt“ und ihre Opfer sind im Netz abrufbar – auch für einzelne Bundesländer wie Sachsen.

Chronik des RAA Sachsen e.V.: https://www.raa-sachsen.de/support/chronik

Rechercheprojekt von DIE ZEIT und Tagesspiegel:

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-09/todesopfer-rechte-gewalt-karte-portraet

Chronik der Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 von der Amadeu-Antonio-Stiftung:

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/todesopfer-rechter-gewalt/

Zeitleiste Rechtsterrorismus in Deutschland von der Bundeszentrale für politische Bildung

https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/167786/zeitleiste-rechtsterrorismus

Wir gedenken der Toten.

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